Erfahrungen ...

Erfahrungen und Erkenntnisse aus vielen Jahren umwelt- und sozialpädagogischer Arbeit auf dem Schulacker der Limesschule Wehrheim

Die folgenden Feststellungen und Wertungen basieren auf praktischen Erfahrungen und sollten durch die weitere Arbeit an diesem Projekt fortwährend überprüft und ergänzt werden. Buchstäblich gilt für die Lerneinsätze der Grundschüler auf dem Acker einen halben Kilometer Luftlinie von der Schule entfernt:

 

Der Weg ist das Ziel.

Der Weg wird zu Fuß zurückgelegt, die Kinder ziehen einen Bollerwagen mit ihren Werkzeugen den Berg hinauf. Das ist Anstrengung. Hier beginnt solidarische Arbeitsteilung.

Der Weg zum Acker (und zurück) kann genutzt werden zur Beobachtung wichtiger Parameter für den Ackerbau: Wetter (feucht, trocken, kalt, ...), Stand der Naturentwicklung in den Gärten, auf den Feldern und Wiesen, Wasserstand des Bizzenbachs, was blüht, was hat der Bauer gemacht, was wird er bald unternehmen müssen?

Welche Bäume und Büsche gedeihen links und rechts des Weges? Welche Nutztiere leben wo? Bestimmung der Himmelsrichtung der unterschiedlichen Wege zum Acker.

 

Ankunft auf dem Schulacker

Erklärung der drei Zonen: Sträucher und Bäume für Insekten, Vögel und Kleintiere. Blumen- und kräuterreiche Wiese für Tiere und Kinder zum Tollen. Acker für den Feldbau. Je nach Schuljahrgang und aktuellen Umständen sollten die Erwachsenen den Kindern die vergleichsweise reiche Vielfalt der Bäume und Pflanzen auf dem Gelände benennen und erklären können.

Der Schulacker ist als ein erhöhter Ort ideal zur kindgerechten geografischen Positionsbestimmung. Wo liegt der Bahnhof, wo stehen die Kirchen, wo sind die Gewerbegebiete, die Wälder, die Grünland-Auen, der Feldberg, der Winterstein und so weiter?

 

Arbeit auf dem Schulacker

Den Kindern muss die aktuell notwendige Aufgabe vorher erklärt werden, und zwar im Zusammenhang mit eventuell bereits geleisteten Einsätzen anderer Klassen und künftig erforderlichen Arbeiten. Zusammenhänge im Kreislauf der Natur können so konkret dargestellt werden.

Die aktuellen Aufgaben sollten arbeitsteilig in Kleingruppen aufgeteilt werden. Das „Ich“ wird stets durch „Wir“ ersetzt. Kinder lernen so die Vorzüge von Arbeitsteilung und Teamarbeit.

Wichtig ist, dass während der Arbeitseinsätze immer kindgerecht die biologischen Zusammenhänge erklärt werden. Die Lehrkräfte sollten sich einerseits selbst durch Fortbildung qualifizieren, andererseits die Kompetenzen von Vertretern der örtlichen Natur- und Umweltschutzverbände nutzen. Das dreigeteilte Gelände bietet zu jeder Jahreszeit ein fast grenzenloses Lernfeld für elementare Lebensbereiche, die heute im Alltag der meisten Menschen wenig präsent sind.

Immer wieder werden die Kinder konfrontiert mit der Notwendigkeit, Nahrungskonkurrenten töten oder vertreiben zu müssen – oder eine Missernte zu riskieren. Gespräche über die Strategien bei „Schädlingsbefall“ 

durch Käfer, Vögel, Wildschweine, Rotwild oder Mäuse sollten mit den Kindern bereits in der Schule geführt werden.

 

Die Ernte

Ist der Lohn für harte Arbeit und ein Spaß und Vergnügen. Bei der Ernte aller Fruchtarten bietet sich die Chance, mit guten Argumenten Egoismen abzubauen. Denn kein Kind hat einen überzeugenden Anspruch auf eine bestimmte Frucht oder eine größere Menge derselben.

Der Spruch: „Das ist meine Kartoffel, die habe ich gefunden“ gilt nicht. Die Ernte gehört allen Kindern der Schule. Sie wurde und wird in schmackhafter Form in der Schule klassenweise verbraucht.

 

Die Entdeckung der Sinne

Bei den Arbeitseinsätzen auf dem Bügel können alle Sinne eingesetzt werden. Die Erwachsenen müssen die Kinder allerdings auf die Reize hinweisen, die von der belebten Natur ausgehen. Beispiele: Der Geruch eines frisch gepflügten Ackers, der Duft des Blütenstreifens im Hochsommer, die Geräusche durch Vögel, Wind, Verkehr, der Geschmack von Wildkräutern im Frühjahr, von jungen Erbsenschoten, wie fühlt sich nasse und wie trockene Erde an, weshalb ist eine Seite der Kartoffelreihe wärmer als die gegenüberliegende? Welche Tiere sehen wir in einer Handvoll Erde oder in einem frisch ausgestochenen Soden Gras?

 

Unsere Motivation zur Mitarbeit auf dem Schulacker wird genährt durch die Überzeugung, nirgendwo sonst so gezielt so vielen jungen Menschen meine Kenntnisse über die natürlichen Kreisläufe in unserer Kulturlandschaft vermitteln zu können.